Wieso konventionelle Banken mit zunehmendem Erfolg ethische Geldanlagen verkaufen

Seit die Finanzkrise die Welt erschüttert, hat der gute Ruf der Banken erheblich gelitten. Es wurde unübersehbar, welche Risiken sie eingehen. Die Ethikbanken haben Hochkonjunktur – und um ihr lädiertes Image zu retten, verkaufen nun auch konventionelle Banken “ethische” Wertpapiere. Mit Erfolg, wie es scheint.

Überraschende Kehrtwende?

Ob diese Kehrtwende Augenwischerei ist oder ob die Bankvorstände Wesentliches verstanden haben, muss man abwarten. Klar ist, dass Banken gewinnorientiert bleiben. Bisher wollten die Anleger nicht wissen, was Banken mit ihrem Geld machen. Heute nutzen sie ihre Macht als Verbraucher bewusster. Mangelnde Transparenz wird abgestraft, schlechte Beratung kann zur Klage führen. Vor allem aber entzieht man den Banken das Geld. Es ist verständlich, dass keine Bank daran interessiert ist, ihren Gewinn zu schmälern. Ergo verkauft sie heute auch ethische Anlagen, um Kunden zu halten.

Die Ethik der Banken

Herkömmliche Banken setzen im Unterschied zu ethischen Geldinstituten auf moralisch fragwürdige Geschäfte. Sie stützen Waffengeschäfte oder setzen auf Todeswetten. Deren Anleger konnten Wetten auf die Lebenszeit bestimmter Personen abschließen. Starben diese früh, konnte man einen satteren Gewinn einstreichen als wenn sie lange lebten. Ob die Anleger immer wussten, wohin sie investierten, bleibt zu fragen. Die meisten haben vermutlich nicht nachgefragt, womit die Rendite erwirtschaftet wird. Als offenbar wurde, mit welchen Geschäften Bankkunden sich befasst hatten, war der Schock groß. Noch schlimmer aber schmerzten Finanzverluste und enttäuschtes Vertrauen.

Was unterscheidet Ethikbanken von anderen?

Nur vier Banken können als ethische Banken bezeichnet zu werden. Diese Kreditinstitute setzen ganz bewusst auf Anlagen, die sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind. Am bekanntesten sind die Ethikbank unter der Leitung von Vorstand Klaus Euler und die Umweltbank. Weniger bekannt sind die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) und die holländische Triodos Bank. Neben diesen existieren noch andere Institute, die sich bewusst um christliche Werte und eine saubere Ethik bemühen. Jede dieser Banken erstellte bei ihrer Gründung eine Positivliste, die ihre Investitionen definiert. Die Umweltbank setzt vorwiegend auf erneuerbare Energien oder regionale Produkte. Wer bei der Bochumer GLS sein Vermögen investiert, möchte auch soziale oder entwicklungspolitische Projekte fördern. Alle genannten Ethikbanken verzichten auf Investments in Atomenergie und Waffenproduktion oder investieren nicht in Unternehmen, die mit Kinderarbeit Geld machen. Die Kundenzahlen sind zwar nicht rasant gestiegen, aber stetig. Zu tief sitzt das Misstrauen. Dank größerer Transparenz in die Investitionen setzen aber immer mehr Anleger auf saubere Anlageinhalte. Die Geschäftsmodelle ethischer Banken basieren oft auf genossenschaftlichen Modellen. Trotzdem müssen sich die Anleger auch hier umfassend informieren, wo sie ihr Geld lassen.

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